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Thomas Huber
Miniaturen (2) |
In den Bergen, dort in den Kneipen saßen die Männer abends zusammen. Sie redeten nicht miteinander. Sie sangen Lieder und tranken und sangen wieder Lieder. Sie redeten nicht.
Tiere interessieren sich nicht für Bilder.
Mein Schlaf geht um die Ecke. Geht Dein Schlaf auch um die Ecke? Also mein Schlaf geht um die Ecke. Na ja, ich kann nur sagen, mein Schlaf geht irgendwie um die Ecke, er geht eben so da rum, verstehst Du?
Kann ich das Bild sehen? - Nein, auf keinen Fall kannst Du das Bild sehen. - Warum nicht? - Also, verstehe, das kann ich Dir nicht sagen. Warum hast Du dann das Bild gemalt, wenn ich es nicht sehen darf? Na hör mal, über irgend etwas muss man doch reden können.
Sie können das Bild nicht sehen. Auf keinen Fall können Sie das Bild sehen. Nein, es geht wirklich nicht. Wieso es nicht geht? Na hören Sie mal, das Bild schläft!
Einer ist in den Brunnen gefallen, er ist ins Wasser gefallen als wäre er in ein Bild gefallen auf ein Bild hereingefallen. Nein sagt er, jetzt bleibe ich drin. Ich komme nicht mehr heraus.
Und einer sagt, er verstünde nicht, wie man gelungene Werke machen könne, wo doch das Leben schon nicht gelingen könne. Schon ein Tag könne nicht gelingen, nicht einmal eine Stunde könne gelingen. Eine Minute wäre ihm schon einmal gelungen, aber einen gelungenen Abend, das hätte er noch nie erlebt, also einen gelungenen Abend, diese Redensart könne er nicht bestätigen.
Also das Bleiben, mit dem Bleiben hätte er große Schwierigkeiten. Wenn etwas bliebe, und er dem Gebliebenen, dem Verbliebenen begegne, dann würde ihn das Elend anspringen. Hinterlassenschaften machten ihn depressiv, denn das Bleibende würde das Kommende verhindern. Das Bleibende ist im Weg, sagte er. Das Bleibende ist der Abfall, sagte er und das Bleibenste von allem wäre die Kunst, die wäre das Abfälligste, die Kunst wäre so schreckliche bleibend.
Und einer sagt: Nein ohne Bild sage ich gar nichts. Ohne mein Bild sage ich nichts. Holen sie mein Bild, dann sage ich etwas.
Leider würden die Bilder die Welt nicht verändern, diese Vorstellung hätte er längst aufgegeben. "Bilder verändern nichts," sagte er, darum verändere er sich jetzt, damit wenigsten etwas passiere, damit wenigstens etwas sich ändere, würde er sich jetzt ändern. Und damit änderte er sich.
Männer denken tief, ernst und letztlich an den Tod. Frauen erinnern sich weh und selig an die Geburt. Die einen denken das Ende, die anderen den Anfang.
Ist das Wort Unglück unglücklich?
"Ich bin nicht dieses, was ich bedeute," sagt das Zeichen, "auf das Göttliche zeige ich nur als dessen hinfälliger Gegensatz" (Zur Todesverfallenheit der Naturgestalt)
Das Bild stellt die Vollendung in Aussicht.
Die Worte Schenken, Geschenk oder Stiften, Stiftung sind die künstlerische Antwort auf den Kapitalismus, Marktwirtschaft und dergleichen. Kunst ist unbezahlbar, sie schenkt.
Ich werde meine Bilder allen Zusammenhängen verweigern.
Bilder schlafen.
© Thomas Huber / Auszüge aus verschiedenen Publikationen